Branchenprojekt "Biodiversität im Tourismus - bewahren um zu erleben"

Branchenprojekt "Biodiversität im Tourismus - bewahren um zu erleben"

Projektstandort
Deutschland
Projektzeitraum
1. Januar 2025 - 31. Dezember 2027
Ansprechpartnerin
Tatjana PetersTatjana Peters

Projektpate
Futouris-Mitglieder
Projektpartner
Phase 1: WWF Deutschland, mascontour, Phase 2: adelphi, mascontour

Der Schutz von biologischer Vielfalt ist in allen Wirtschaftszweigen von besonderer Bedeutung, insbesondere in der Tourismusbranche, da eine intakte Natur Bestandteil des Produktes ist. Ziel des Futouris Branchenprojektes ist es, den Beitrag des Tourismus zum Erhalt und zur Wiederherstellung von Biodiversität in touristischen Destinationen zu maximieren, negative Auswirkungen zu verringern und konkrete Maßnahmen in allen Prozessen des touristischen Kerngeschäftes zu verankern.

Branchenprojekt "Biodiversität im Tourismus - bewahren um zu erleben"

Projektziele

  • Entwicklung von unternehmensspezifischen Biodiversitätsstrategien und konkreten Aktionsplänen der teilnehmenden Pilotunternehmen.

  • Umsetzung von Pilotprojekten auf Basis der Analyseergebnisse sowie der entwickelten Biodiversitätsstrategien bzw. abgeleiteten Maßnahmen.

Schutz der biologischen Vielfalt und einer intakten Natur von besonderer Bedeutung

Die globalen Bestände an Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen sind in den letzten 50 Jahren um mehr als 70 Prozent gesunken. Etwa eine Million von acht Millionen Arten ist aktuell gefährdet – und der Mensch trägt hierzu durch die Umwandlung und Zerstörung von Ökosystemen sowie die übermäßige Nutzung von Ressourcen maßgeblich bei. Der Schutz biologischer Vielfalt sichert unsere existenziellen Lebensgrundlagen wie saubere Luft, Wasser und fruchtbare Böden.

Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass in allen Wirtschaftszweigen Entscheidungs- und Managementinstrumente zum Umgang mit biologischer Vielfalt entwickelt werden. Als Reisebranche tragen wir eine besondere Verantwortung, Biodiversität zu erhalten - nicht nur als Basis für authentische Reiseerlebnisse, sondern als global unverzichtbarer Pfeiler für gesundes Leben. Gleichzeitig kann Tourismus durch Ressourcenverbrauch oder Eingriffe in die Natur selbst zur Belastung werden – dem gilt es aktiv entgegenzuwirken.

Ziel der Futouris Mitglieder ist es, den Beitrag des Tourismus zum Erhalt und zur Wiederherstellung von Biodiversität in touristischen Destinationen zu maximieren, negative Auswirkungen zu verringern und konkrete Maßnahmen hierzu in allen Prozessen des touristischen Kerngeschäftes zu verankern.

Phase 1: Analyse der wesentlichen Auswirkungen auf Biodiversität und Entwicklung von Aktionsplänen als Grundlage

Hintergrund

Biodiversität ist ein vielschichtiges Thema mit weitreichenden Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette im Tourismus. Da nicht alle Herausforderungen gleichzeitig angegangen werden können, müssen Prioritäten gesetzt werden.

In Phase 1 des Branchenprojektes haben fünf Futouris Mitgliedsunternehmen in Kooperation mit den Partnern WWF Deutschland und mascontour wesentliche Auswirkungen von eigenen Tourismusaktivitäten auf die Biodiversität identifiziert und analysiert. Auf Basis der Analyseergebnisse haben die Pilotunternehmen, in enger Begleitung durch die Partner, ihre individuelle Biodiversitätsstrategie und Aktionsplan erarbeitet.

Die Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne sind Grundlage für die Umsetzung von Implementierungsprojekten in Phase 2 des Branchenprojektes.

Zusätzlich wird durch den WWF Deutschland ein Leitfaden zur Entwicklung von Biodiversitätsstrategien sowie Aktionsplänen entwickelt, welcher gezielt auf die touristische Wertschöpfungskette abgestimmt ist und im Rahmen des Futouris Projektes von den teilnehmenden Pilotunternehmen praktisch getestet und angewendet wurde.

Durchgeführte Projektaktivitäten

  • Ausarbeitung eines Leitfadens für die Entwicklung von unternehmensspezifischen Biodiversitätsstrategien sowie Aktionsplänen durch den WWF.

  • Anwendung der im Leitfaden beschriebenen Schritte durch die teilnehmenden Pilotunternehmen: Stakeholder-Mapping, Value Chain Mapping und Analyse, Wesentlichkeitsanalyse und Hotspot-Analyse.

  • Unterstützung der teilnehmenden Unternehmen bei der Erstellung der eigenen Biodiversitätsstrategie sowie des Aktionsplans.

  • Einholung und Auswertung des Feedbacks der teilnehmenden Pilotunternehmen aus der Anwendung des Leitfadens.

Ergebnisse

Die durchgeführten Analysen haben gezeigt, dass obwohl die identifizierten und analysierten Auswirkungen je nach Art und Portfolio der Tourismusunternehmen variieren, der Wasser- und Energieverbrauch, Abfall, Landnutzung, Lärm- und Lichtverschmutzung sowie das Speisen- und Getränkeangebot die wesentlichen Auswirkungen in allen Unternehmen sind. Insbesondere Hotels und Kreuzfahrtschiffe haben durch ihr operatives Hotelmanagement vor Ort/an Bord sowie durch ihr Speisen- und Getränkeangebot entlang globaler Lieferketten einen erheblichen Einfluss auf die Biodiversität.

Vor diesem Hintergrund wird die zweite Phase des Branchenprojekts die Analyse der relevantesten wesentlichen Auswirkungen vertiefen, um konkrete Maßnahmen zu deren Reduzierung zu entwickeln.


Phase 2: Implementierung

Auf Basis der Analyseergebnisse liegt der Fokus von Phase 2 auf der systematischen Reduzierung der Auswirkungen auf Biodiversität im operativen Hotelmanagement sowie durch das Speisen- und Getränkeangebot. Das Implementierungsprojekt besteht aus zwei Modulen:

Modul A

Ziel dieses Moduls ist die systematische Reduzierung der Auswirkungen des Hotelbetriebs (und gegebenenfalls des Hotelbetriebs auf Kreuzfahrtschiffen) auf die Biodiversität. Hotels (und Kreuzfahrtschiffe) werden dabei unterstützt, individuelle Belastungspunkte zu analysieren und zu identifizieren, relevante Maßnahmen zu priorisieren und langfristig biodiversitätsfreundliche Betriebspraktiken zu etablieren. Der Fokus liegt dabei auf Wasser, Energie, Landnutzung und biodiversitätsfreundlichem Standortmanagement.

Projektaktivitäten
  • Erstellung eines "Biodiversitätsprofils" für jeden teilnehmenden Betrieb durch Identifizierung relevanter Indikatoren und Benchmarks und Erhebung und Analyse relevanter Daten in den Betrieben.

  • Ableitung von Empfehlungen für einen biodiversitätsfreundlichen Betrieb für jeden teilnehmenden Betrieb in einer Roadmap.

  • Umsetzung vom Pilotmaßnahmen inkl. begleitendem Monitoring.

  • Schulung von relevantem Hotelpersonal nach dem Train-the-Trainer-Ansatz.

  • Entwicklung von Kommunikationsmaßnahmen für Gäste zur Nutzung in den Betrieben.

  • Entwicklung praktischer Instrumente zur Unterstützung von Hotelbetrieben bei der Erstellung ihres eigenen Biodiversitätsprofils und der Ableitung relevanter Umsetzungsmaßnahmen.

Modul B

Hotels und Kreuzfahrtschiffe beeinflussen durch globale Lebensmittelversorgungsketten (z. B. durch risikoreiche Rohstoffe wie Produkte, die mit Entwaldung, Ökosystemzerstörung oder Überfischung in Verbindung stehen) die Biodiversität erheblich. Dieses Modul zielt darauf ab, ein praktisches Konzept zu entwickeln, wie Tourismusunternehmen ihre Beschaffung und Menüplanung biodiversitätsfreundlicher gestalten können. Dazu werden u.a. bestehende Speisen- und Getränkeangebote ausgewählter Pilotbetriebe analysiert, Lieferanten- und Herkunftskarten erstellt und biodiversitätsfreundliche Beschaffungskriterien entwickelt.

Projektaktivitäten
  • Analyse der Auswirkungen des F&B Angebotes in den teilnehmenden Pilotbetrieben.

  • Standort- und Herkunftsanalyse von Produkten (insbesondere kritischen Rohstoffen).

  • Entwicklung von Kriterien für biodiversitätsfreundliche F&B Angebote, unter Berücksichtigung von unterschiedlichen Betriebstypen und Standorten.

  • Umsetzung von Pilotmaßnahmen in den teilnehmenden Betrieben (bspw. Vermeidung von kritischen Rohstoffen, Kennzeichnung biodiversitätsfreundlicher Gerichte).

  • Schulung von relevantem Personal nach dem Train-the-Trainer-Ansatz, ggf. Schulung von Lieferanten.

  • Wirkungsanalyse und KPI-Messung.